Einem neuen OECD-Bericht zufolge steigen die globalen Überkapazitäten im Stahlsektor, die auf zunehmende Subventionen in einigen großen stahlerzeugenden Nicht-OECD-Volkswirtschaften zurückzuführen sind, weiter an. Gleichzeitig werden Bemühungen zur Wiederherstellung eines fairen Wettbewerbs zunehmend unterminiert, indem Handelsmaßnahmen umgangen werden, die der Schaffung gleicher Rahmenbedingungen dienen.
Im OECD-Stahl-Ausblick 2026 wird projiziert, dass die globalen Stahlüberkapazitäten bis 2028 745 Mio. Tonnen erreichen werden. Das sind 319 Mio. Tonnen mehr als die aktuell im OECD-Raum produzierte Menge an Stahl. Die geplanten Kapazitätszuwächse von bis zu 139 Mio. Tonnen bis 2028 entsprechen einem Anstieg um 5.7 % gegenüber dem Niveau von 2025, während das Nachfragewachstum mit rd. 0.9 % pro Jahr verhalten bleiben dürfte.
Neue Kapazitäten werden größtenteils außerhalb des OECD-Raums geschaffen, nicht selten mit staatlicher Unterstützung. Bezogen auf die Bilanzsumme erhielt ein chinesisches Medianunternehmen der Stahlindustrie 2024 15-mal mehr Subventionen als Hersteller in anderen Ländern. 2023 war es noch das 10-Fache. 2025 exportierten chinesische Stahlhersteller die Rekordmenge von 131 Mio. Tonnen Stahl. Das entspricht einem Anstieg um 153 % gegenüber 2020 und ist mehr als die gesamte Stahlproduktion der Europäischen Union im Jahr 2025.
„Stahlüberkapazitäten werfen für alle Probleme auf. Sie verzerren globale Märkte, belasten die wirtschaftliche Sicherheit und Widerstandsfähigkeit und schaffen Negativanreize für Innovation und Nachhaltigkeit“, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann auf der OECD-Ministerratstagung. „Wir müssen die Ursachen angehen, einschließlich schädlicher Subventionen und anderer nicht marktbestimmter Praktiken. Das heißt, es bedarf einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit und überall gleicher Wettbewerbsbedingungen für Stahlhersteller.“
Im Bericht werden Handelsstrukturen aufgezeigt, die auf eine zunehmende Umgehung handelspolitischer Maßnahmen hindeuten, wie z. B. Antidumping- und Ausgleichszölle auf bestimmte chinesische Stahlprodukte. Die Ausfuhren von Produkten wie warmgewalzten Blechen und Warmbreitband-Coils von China in südostasiatische Länder sind stark angestiegen; gleichzeitig haben die Ausfuhren der gleichen Produkte von Südostasien in die Märkte der OECD-Länder zugenommen.
Im Bericht wird ferner unterstrichen, dass die chinesischen Exporte von Halbzeugen aus Stahl nach Südostasien 2025 um 300 % zunahmen. Dies legt den Schluss nahe, dass solche Produkte möglicherweise in Drittländern weiterverarbeitet werden, bevor sie wieder in Länder des OECD-Raums ausgeführt werden. Dadurch könnten die derzeitigen Handelsmaßnahmen umgangen werden.
Vor diesem Hintergrund weist der Bericht auch darauf hin, dass die Rohstoffversorgung zunehmend unter Druck steht. Kein Stahlerzeugerland ist bezüglich der von seiner Stahlindustrie benötigten Vorleistungen vollkommen autark, und die Ausfuhrbeschränkungen für wichtige Rohstoffe der Stahlerzeugung nehmen weltweit zu. So beschränken aktuell 42 Länder ihre Schrottausfuhren. Die steigenden Energiekosten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten sorgen für weitere Belastungen, da der Anteil der Energie an den Produktionskosten für Stahl bis zu 40 % ausmachen kann. In der gesamten Branche wirkt sich dieser Druck auf Investitionsentscheidungen aus. Mehrere Projekte zur emissionsärmeren Stahlerzeugung werden nun verschoben.
Der Stahlausschuss der OECD und das Globale Forum zu Stahlüberkapazitäten bemühen sich derzeit um eine koordinierte Reaktion, indem sie zusammen mit 28 großen Stahlerzeugerländern, auf die nahezu 70 % der weltweiten Stahleinfuhren entfallen, einen umfassenden Rahmen für ein gemeinsames Vorgehen beim Thema Stahl entwickeln.
Ansprechpartnerin für Medien ist Elisabeth Schoeffmann im OECD Media Office (+33 1 45 24 81 18).
Die OECD ist ein globales Forum, das mit über 100 Ländern zusammenarbeitet. Sie tritt ein für eine Politik, die die individuellen Freiheiten wahrt und das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen der Menschen weltweit fördert.